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Sommerstoffe: Was dich wirklich kühl hält

Frau in luftigem Leinen-Sommerlook, warme neutrale Farben

Im Sommer entscheidet oft nicht der Schnitt, ob du dich wohlfühlst, sondern der Stoff. Das schönste Kleid nützt wenig, wenn es bei 30 Grad an der Haut klebt. Und das Gute: Du brauchst dafür kein Materialkunde-Studium. Ein paar Stoffe geben dir im Sommer ein angenehmes Hautgefühl, andere wiederum lassen dich schwitzen und kleben. Wenn du die auseinanderhältst, kaufst du im Sommer viel entspannter ein.

Woran du einen guten Sommerstoff erkennst

Drei Dinge machen fast den ganzen Unterschied. Ein guter Sommerstoff:

  • Lässt Luft an die Haut
  • Nimmt Schweiß auf und gibt ihn schnell wieder ab, statt klamm zu kleben
  • Ist leicht und fällt locker

Eine einfache Faustregel beim Einkaufen: Halt den Stoff gegen das Licht. Je mehr durchscheint, desto luftiger ist er. Und je leichter er sich anfühlt, desto angenehmer trägt er sich an heißen Tagen.


Die Sommerstoffe im Detail

Leinen mit lässiger Knitter-Optik in warmen neutralen Tönen

Leinen: kühl auf der Haut, mit der typischen lässigen Knitter-Optik

Leinen

Der Klassiker, und das zu Recht. Leinen fühlt sich kühl auf der Haut an, lässt Luft durch und nimmt Feuchtigkeit auf, ohne klamm zu werden. Den Unterschied merkst du sofort, wenn du an einem heißen Tag von Baumwolle auf Leinen wechselst.

Ja, Leinen knittert. Das ist kein Makel, sondern sein Markenzeichen. Wer ein gestärktes, faltenfreies Hemd erwartet, wird mit Leinen nie glücklich. Wer die lässige Optik mag, hat den entspanntesten Sommerstoff überhaupt. Leinen brauchst du nicht bügeln, es darf knittern.

Gut zu wissen:

  • Je feiner und leichter gewebt, desto kühler trägt es sich
  • Gewaschenes Leinen ist weicher und knittert etwas entspannter
  • Ein Leinen-Mix mit Lyocell fällt glatter und knittert weniger als reines Leinen
Feiner Sommerstrick aus Baumwolle und Leinen

Sommerstrick: fein gestrickt, luftig und perfekt für kühle Abende

Sommerstrick

Strick klingt erstmal nach Winter, ist im Sommer aber Gold wert. Fein gestrickte Teile aus Baumwolle, Leinen oder einem leichten Mix sind luftig genug für warme Tage und retten dich abends, wenn es kühler wird oder die Klimaanlage zu gut funktioniert.

Der Trick liegt in der Maschenweite. Locker oder fein gestrickt lässt Luft durch, dicker grober Strick staut die Wärme. Als leichte Lage über einem Kleid oder Top ist Sommerstrick einer der vielseitigsten Teile, die du im Sommer haben kannst.

Tipp: Liegend trocknen statt aufhängen, sonst zieht sich der Strick in die Länge.

Baumwolle, je nach Webart

Baumwolle ist nicht gleich Baumwolle. Ein dickes Jersey-Shirt kann im Hochsommer schwer und feucht werden, eine leichte, offen gewebte Baumwolle ist dagegen herrlich kühl. Es kommt auf die Webart an, und ein paar Namen lohnt es sich zu kennen:

  • Seersucker: die leicht gekräuselte Struktur hebt den Stoff von der Haut ab, dadurch kühlt er gut und knittert kaum
  • Voile und Musselin: leicht, fein, halb transparent und mit weichem Fall. Ideal für Blusen und Kleider
  • Popeline: glatt und etwas fester, sieht ordentlicher aus, ist dafür ein bisschen weniger luftig

Faustregel: Je offener die Webart, desto kühler. Magst du es gepflegt und glatt, greif zu Popeline. Soll es maximal luftig sein, zu Voile oder Musselin.

Seide

Seide ist der Luxus unter den Sommerstoffen. Sie ist leicht, atmet, fühlt sich kühl an und fällt wunderschön. Leichte Seide trägt sich an heißen Tagen angenehmer als schwere.

Ein Haken: Seide zeigt Schweißflecken schneller als andere Stoffe. An sehr heißen Tagen sind dunklere Töne oder Prints deshalb die sicherere Wahl als helles Uni. Und sie will vorsichtig behandelt werden, ist also eher das besondere Teil für den Abend als der Allrounder für jeden Tag.

Hanf

Der unterschätzte Geheimtipp. Hanf ist leicht, atmet hervorragend und transportiert Feuchtigkeit ähnlich gut wie Leinen. Zwei Dinge machen ihn besonders: Er wird mit jeder Wäsche weicher, und er hält fast ewig.

Dazu ist Hanf einer der nachhaltigsten Stoffe überhaupt. Er braucht wenig Wasser, kommt ohne Pestizide aus und verbessert sogar den Boden, auf dem er wächst. Am Anfang fühlt er sich etwas rauer an, das gibt sich nach den ersten Wäschen.

Lyocell, Modal und Viskose

Hinter vielen fließenden Sommerblusen und Kleidern stecken diese drei. Sie werden aus Zellfasern hergestellt, fühlen sich glatt und kühl an und fallen besonders weich. Es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten:

  • Lyocell (oft als TENCEL): die beste Wahl der drei. Nimmt Feuchtigkeit super auf, trocknet schnell und fühlt sich oft sogar kühler an als Baumwolle
  • Modal: sehr weich und glatt, atmet gut, transportiert Feuchtigkeit etwas weniger als Lyocell
  • Viskose: leicht und luftig, hält Feuchtigkeit aber länger und kann an Schwitztagen kleben. Schön für den Look, weniger ideal bei großer Hitze

Was im Sommer eher nicht

Genauso hilfreich wie zu wissen, was gut funktioniert, ist zu wissen, was du an heißen Tagen besser im Schrank lässt:

  • Jeans und Denim: schwer, dicht gewebt und kaum atmungsaktiv. Dunkle Töne heizen sich in der Sonne zusätzlich auf
  • Reines Polyester: lässt kaum Luft durch, staut die Wärme und du schwitzt schneller. Geruch setzt sich obendrein leichter fest
  • Dicke Synthetik und Acryl: gleiches Problem, der Stoff arbeitet gegen dich statt mit dir

Wichtig: Es geht nicht um schwarz und weiß, sondern um Anteil und Machart. Ein kleiner Elasthan-Anteil für Stretch ist völlig in Ordnung, und ein leichter, gut gemachter Mix kann gut funktionieren. Achte einfach darauf, dass die Hauptfaser eine natürliche oder kühlende ist und der Stoff leicht und offen gewebt.


Worauf du beim Kauf achtest

  • Erst das Etikett lesen: Leinen, Lyocell, Hanf, leichte Baumwolle und leichte Seide sind ein gutes Zeichen. Bei viel Polyester im Sommer skeptisch sein
  • Gegen das Licht halten: je luftiger die Webart, desto kühler trägt es sich
  • Gewicht fühlen: leicht und weich fällt im Sommer besser als steif und schwer
  • Mischungen verstehen: oft das Beste aus zwei Welten, zum Beispiel Leinen mit Lyocell, das knittert weniger als reines Leinen

Pflege auf einen Blick

  • Leinen und Hanf: lauwarm und schonend waschen, feucht aufhängen, Knitter entweder zelebrieren oder leicht feucht bügeln
  • Sommerstrick: liegend trocknen, damit nichts ausleiert
  • Seide: kühl und vorsichtig handwaschen, flach trocknen, nicht in den Trockner und nicht in die pralle Sonne
  • Lyocell, Modal und Viskose: kühl und schonend waschen, nicht wringen, Viskose ist nass empfindlich

Fazit

Im Sommer macht der Stoff den Unterschied zwischen einem Outfit, das gut aussieht, und einem, in dem du dich auch gut fühlst. Leinen, Sommerstrick, leichte Baumwolle, Hanf und Lyocell halten dich kühl, Seide ist der schöne Akzent für besondere Tage. Jeans und dickes Polyester dürfen an heißen Tagen gern im Schrank bleiben.

Du musst dir das nicht alles merken. Wenn du das nächste Mal vor dem Spiegel oder im Laden stehst, halt den Stoff einfach gegen das Licht und fühl, wie leicht er ist. Dein Körper merkt den Unterschied sowieso sofort.

Awin