Im Herbst ziehen wir mehr an, nicht anders. Morgens sind es acht Grad, mittags fünfzehn, im Büro läuft die Heizung. Also kommt eine Lage über die andere, und irgendwann fühlt sich das Outfit an wie eingepackt. Dabei liegt es fast nie an der Zahl der Lagen. Drei oder vier Stücke übereinander können leichter aussehen als ein einzelner dicker Pullover, wenn sie in der richtigen Reihenfolge liegen und jede Lage eine Aufgabe hat.
Die folgenden sieben Regeln brauchen kein neues Stück, sie funktionieren mit dem, was du schon im Schrank hast.
1. Dünn nach innen, dick nach außen
Die Grundregel, aus der sich fast alles andere ergibt. Jede Lage sollte etwas dicker und etwas weiter sein als die darunter. Dann legt sich nichts in Falten, nichts spannt, und die äußere Lage fällt so, wie sie geschnitten ist.
- Innen: feines Baumwollshirt, Body, Seidenbluse, dünner Rollkragen aus Merino
- Mitte: Feinstrick, Hemd, Blazer, leichter Cardigan
- Außen: Mantel, Jacke, Grobstrick
Wer die Reihenfolge umdreht, etwa einen Grobstrick unter eine schmale Jacke zwingt, bekommt genau den Effekt, den niemand will: Die Jacke spannt an den Armen, die Schultern wirken breiter, und die Wärme bleibt trotzdem nicht drin, weil die Luftschicht zwischen den Lagen fehlt.
2. Lass die untere Lage hervorschauen
Kragen, Manschetten, ein Streifen Saum: glatte Popeline gegen groben Zopfstrick
Eine Bluse oder ein schlichtes T-Shirt unter dem Pulli, sichtbar am Kragen oder am Saum, und der Look wirkt sofort durchdachter. Das ist der kleinste Handgriff mit der größten Wirkung, weil er zeigt, dass da mehr ist als ein Pullover.
- Am Kragen: ein Blusenkragen über dem Rundhalspulli, oder ein weißer Shirtrand unter einem V-Ausschnitt. Am Gesicht hellt das zusätzlich auf
- Am Saum: zwei, drei Zentimeter Bluse oder Shirt unter dem Pulli. Mehr nicht, sonst sieht es nach verrutscht aus statt nach Absicht
- An den Ärmeln: eine Manschette, die unter dem Strick hervorkommt, wirkt besonders bei kurzen Strickärmeln
Gut dafür sind Stücke mit festem Kragen und glattem Stoff: Hemdblusen aus Popeline, ein T-Shirt mit sauberem Rippbündchen. Weiche Jerseyshirts rollen sich am Saum und verschwinden unter dem Strick.
3. Damit der Blazer unter den Mantel passt
Dünn unter dem Blazer, der Mantel gerade, weiter und deutlich länger
Blazer unter Mantel ist die klassische Herbstkombination und gleichzeitig die, die am häufigsten klemmt. Damit es klappt, kommt es auf zwei Dinge an.
- Darunter nur eine dünne Lage: ein feines Shirt, ein Body, eine dünne Bluse. Kommt unter den Blazer noch ein Pulli, ist im Mantel kein Platz mehr
- Der Mantel gerade, etwas weiter und länger als der Blazer: ein gerader oder leicht oversized geschnittener Mantel nimmt den Blazer auf, ohne an Schultern und Ärmeln zu ziehen. Taillierte Mäntel sind für eine Lage darunter gemacht, nicht für zwei
Endet der Mantel kürzer als der Blazer, schaut der Blazer unten heraus und der Look wirkt, als hätte er die falsche Jacke an. Ein Mantel, der mindestens eine Handbreit länger ist, deckt den Blazer sauber ab und lässt ihn erst beim Öffnen sehen.
4. Längen staffeln
Enden alle Lagen auf derselben Höhe, liest das Auge sie als einen einzigen dicken Block. Unterschiedliche Längen machen die Lagen sichtbar und damit leichter.
- Kurz unter lang: ein Pulli bis zur Hüfte unter einem Mantel bis zum Knie. Der Klassiker, weil die lange äußere Linie den Look streckt
- Lang unter kurz: eine längere Bluse unter einem kurzen Strickpulli. Funktioniert, wenn der Unterschied deutlich ist, also mindestens eine Handbreit
- Eine Lage offen tragen: eine offene Strickjacke oder ein offener Mantel zeichnen zwei senkrechte Linien. Das streckt mehr als jeder Gürtel
Wenig Abstand ist die Falle: Zwei Lagen, die nur zwei, drei Zentimeter auseinander enden, wirken eher wie ein Versehen. Entweder fast bündig unter dem Pulli versteckt wie bei Regel 2, oder klar sichtbar abgesetzt.
5. Volumen nur an einer Stelle
Oben drei Lagen und unten eine weite Hose, dazu ein großer Schal: Dann ist überall Volumen, und genau dann wirkt ein Outfit schwer. Entscheide dich, wo das Volumen sitzen darf, und halte den Rest schmal.
- Viel oben: gerade oder schmale Hose, Stiefel, die eng am Bein sitzen, ein schlanker Rock
- Viel unten: eine weite Hose oder ein voller Rock verträgt oben eher schmale Lagen, also Feinstrick und einen geraden Mantel
- Sichtbare Haut als Pause: Handgelenke, ein Stück Hals, ein Knöchel. Ärmel einmal umschlagen oder ein Rundhals statt Rollkragen, und der Look atmet
Das gilt unabhängig von deiner Figur. Es geht nicht darum, etwas zu verstecken, sondern darum, dem Auge einen Ruhepunkt zu geben.
6. Materialien mischen, Farben zusammenhalten
Zwei Lagen aus demselben Stoff verschwimmen miteinander. Zwei Lagen aus verschiedenen Stoffen bleiben als zwei erkennbar, auch wenn die Farbe fast dieselbe ist. Deshalb funktioniert der Lagenlook am besten mit Kontrast im Material und Ruhe in der Farbe.
- Glatt neben Struktur: Popeline unter Grobstrick, Seide unter Tweed, glattes Leder über Feinstrick
- Matt neben glänzend: ein Satinkragen unter einem Wollpulli fängt Licht, der Pulli schluckt es
- Eine Farbfamilie: Creme, Sand, Camel, Braun. Oder Grau, Anthrazit, Navy. Innerhalb einer Familie kannst du so viele Lagen tragen, wie du willst, ohne dass es unruhig wird
- Hell innen, dunkel außen ist die einfachste Ordnung, weil die helle Lage am Kragen das Gesicht frei lässt
Wer gern mit Farbe arbeitet: lieber eine einzige kräftige Lage im Look als drei verschiedene. Ein rostroter Pullover zwischen Creme und Camel trägt den ganzen Look, drei Farbtöne nebeneinander konkurrieren.
7. Ein Tuch verbindet die Lagen
Ein Tuch oder Schal in einer Farbe, die schon im Look vorkommt, zieht die Lagen zusammen. Es greift den Ton der Bluse oder des Mantels auf und legt ihn quer über alles, was dazwischen liegt. Aus vier Stücken wird so ein Outfit.
- Farbe wiederholen: das Rost des Pullovers im Muster des Tuchs, das Camel des Mantels in einem Wollschal
- Leicht statt dick: über drei Lagen lieber ein Seidentuch oder ein feiner Wollschal als ein Strickschal. Der dicke Schal ist für Tage mit nur einer Lage unter dem Mantel
- Locker gebunden: einmal um den Hals und vorn lose hängen lassen. Das zieht eine weitere senkrechte Linie und streckt
Quick Fixes
- Der Look wirkt dick: eine Lage zu viel oder die falsche Reihenfolge. Die dickste Lage gehört nach außen, nicht in die Mitte
- Der Mantel spannt: unter dem Blazer den Pulli gegen ein dünnes Shirt tauschen, oder einen weiteren Mantel nehmen
- Der Look wirkt wie ein Block: Längen staffeln oder eine Lage offen tragen
- Der Look wirkt unruhig: zu viele Farben. Auf eine Farbfamilie reduzieren und den Kontrast über das Material holen
- Der Look wirkt flach: es fehlt Struktur. Eine Lage aus Strick, Cord oder Tweed dazunehmen
Lagen aus deinem eigenen Schrank
Die Regeln sind schnell erklärt, die Kombination morgens vor dem Spiegel dauert trotzdem. Deshalb stellt nui dir jetzt Herbstlooks mit mehreren Lagen aus deinem eigenen Schrank zusammen: Shirt oder Bluse innen, Pulli oder Blazer in der Mitte, Mantel oder Jacke außen. Fehlt dir für einen Look noch ein Mantel oder eine Jacke, siehst du die Stelle schraffiert als Platzhalter. So weißt du, was die Lücke ist, bevor du etwas kaufst.
Links deine neuen Herbstlooks auf der Startseite, rechts ein Look in drei Lagen, was noch fehlt, ist schraffiert
Ein Wisch, und das nächste Stück aus deinem Schrank liegt im Look
Und wenn dir an einem Look eine Lage nicht gefällt, tauschst du sie mit einem Wisch gegen ein anderes Stück aus deinem Schrank, ohne den ganzen Look neu zu bauen. Wischen gibt es ab sofort für alle mit Premium, alle anderen folgen am 24. Oktober.